Wertschöpfung mit Geodaten

Die PDV-Systeme Erfurt GmbH will die aufwendig erfassten Daten aus geographischen Informationssystemen nutzen, um Geschäftsprozesse bei Energieversorgern zu beschleunigen. Zunächst sind überschaubare Lösungen geplant - wie der automatisierte Hausanschluss oder die Planauskunft per Internet.

 

Wer ein Haus baut und es ans örtliche Stromnetz anschließen will, löst bei dem zuständigen Energieversorger eine emsige Geschäftigkeit aus. Der Versorger legt einen Vorgang für den Hausanschluss an, kalkuliert und macht dem Kunden ein Angebot. Bestätigt der es, werden die Tiefbau- und Elektroarbeiten ausgelöst, der Hausanschluss freigegeben und die Zähler installiert. Am Ende hat der Kunde seinen Strom und einen Vertrag. Beim Versorger ist er im Abrechnungssystem erfasst, sein Hausanschluss ist im Geographischen Informationssystem (GIS) dokumentiert. Der Netzbetrieb, die Instandhaltung und der Vertrieb können auf die Daten zugreifen und bei Bedarf nutzen. Aber bis dahin vergeht nach Meinung von Dr. Uwe Bernhardt noch unnötig viel Zeil. "Der scheinbar triviale Prozess, einen Hausanschluss zu erstellen, bindet nicht unerhebliche Kapazitäten", erklärt der Versorger-Spezialist der PDV-Systeme GmbH. "Wenn ich die vielen einzelnen Teilschritte mit einer durchgängigen Lösung zusammenbringen und stauchen kann, sinkt der Aufwand."

 

Wirtschaftlicher Nutzen aus digitalisierten Kartenschränken

Wolfgang Schulz (l.) und Dr. Uwe Bernhardt wollen Geodaten bei Energieversorgen besser verfügbar machen und Geschäftsprozesse beschleunigen

Die PDV-Mitarbeiter kennen die Geschäftsprozesse der Energieversorger vor allem aus der Arbeit mit dem Smallworld GIS von GE Energy, das sie mittlerweile bei 40 Stadtwerken und Regionalversorgern installiert haben. Allerdings unter anderem Namen, denn dieses Geschäft betrieb bisher die GEOMAGIC GmbH, die im Juni 2004 mit der Schwesterfirma PDV fusionierte. Letztere verfügt über die selbst entwickelte Software Viskompakt-Suite, die Vorgänge in öffentlichen Verwaltungen automatisiert und dabei auch Geodaten verarbeitet. Die Fusion der beiden Firmen unter dem Namen PDV ist für den geschäftsführenden Gesellschafter Wolfgang Schulz eine logische Konsequenz, da das Geschäft mit den Geodaten und ihrer Weiterverarbeitung - dem so genannten Workflow - in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen zunehmend miteinander verschmilzt, "Wir wollen aus dem GIS heraus Wertschöpfung betreiben und dazu die Geodaten besser in die Geschäftsprozesse einbinden.", erklärt Schulz. "Bisher ist sehr viel Geld in die Digitalisierung von Kartenschränken geflossen. Nun wird es Zeit, dass dies auch tatsächlich einen wirtschaftlichen Nutzen bringt."
Dazu wollen Schulz und Bernhardt zunächst überschaubare kleine Workflow-Lösungen für Energieversorger schaffen. Der automatisierte Hausanschluss ist ein Beispiel dafür. Möglich wäre ebenso, dass Baufirmen künftig die Planauskünfte über unterirdische Leitungen eines Versorgers selbst per Internet abrufen können. Aber auch Innerhalb des Unternehmens wollen die Erfurter die Geodaten besser mit kaufmännischen Information verknüpfen: "Bisher bekommen die Instandhalter einen Auftragszettel aus dem SAP-System, den sie abarbeiten", schildert Bernhardt die gängige Praxis. "Danach pflegt das Personal die geänderten Daten wieder in die betroffenen Systeme ein." Für ihn ein unnötiger Aufwand, der sich mit geeigneter Software und mobilen Endgeräten automatisieren lässt: Damit werden alle nötigen Informationen aus dem GIS und aus anderen Systemen vor Ort verfügbar.
Die zentrale Rolle In der PDV-Strategie spielt die Viskompakt-Suite, die Daten aus verschiedenen Anwendungen zusammenfassen und weiter verarbeiten kann. Die bisherige Verwaltungssoftware soll mit neuen Zusatzmodulen nun auch zu einer Branchenlösung für mittlere und kleine Energieversorger wachsen. "Die Vorgänge in einer öffentlichen Verwaltung sind nicht so grundsätzlich verschieden von dem, was wir im EVU-Markt erleben", findet Bernhardt. Als Zielgruppe nehmen die Erfurter die bisherigen GEOMAGIC-Kunden ins Visier, wollen aber gemeinsam mit Beratungsfirmen wie T-Systems und Cap Gemini auch großen Energieversorgern einzelne Teillösungen anbieten. "Wir sind zuversichtlich, dass wir bald Referenzprojekte vorzeigen können", so Schulz.   Stefan Schroeter

 

Quelle: E & M, Energy & Management Ausgabe 09/04