Elektronischer Vertrieb von Geodaten - Private Anbieter gehen voranWährend öffentliche Stellen mit Public Private Partnerships hantieren und sich schwer tun, digitale Daten in kleinen Paketen per Internet zu vertreiben, haben private Anbieter schon längst umfangreiche Onlineshops für Geodaten realisiert - auch mit amtlichen Inhalten.
(TTM) - Mit viel Unterstützung aus der Politik und Fördermitteln des Landes sowie der Europäischen Union arbeitet die Initiative GDI NRW (Geodateninfrastruktur Nordrhein-Westfalen) an ihrem selbst erklärten Ziel, den Geoinformationsmarkt zu aktivieren und den Zugang zu Geoinformation zu verbessern. Öffentliche Hand und private Anbieter sollen zusammenarbeiten. So entstünden "Wertschöpfungsketten, indem kostengünstige Geobasisdaten weiterverarbeitet und veredelt werden, um daraus hochqualitative Geoinformationsprodukte zu erhalten", wie es die für die Internetpräsenz der GDI-NRW verantwortliche Center for Geoinformation GmbH in der Selbstdarstellung formuliert. Sichtbarstes Ergebnis der Bemühungen ist neben einer Reihe von Spezifikationen, die einen reibungslosen Austausch von Geodaten gewährleisten sollen, die Internetadresse geocatalog.de. Rund 50 Anbieter haben hier Informationen über die bei ihnen vorhandenen Geodaten in Form von Metadaten hinterlegt. Die Liste reicht von amtlichen Stellen wie der Bezirksregierung Detmold oder dem Kreis Lippe bis zum professionellen Datenanbieter wie etwa die Digital Data Services (DDS) GmbH, ein Tochterunternehmen der Map & Guide GmbH. Gleichwohl gilt: Die Daten selbst sind in keiner Form über den Geocatalog zu bekommen. Interessenten müssen jeweils individuell Kontakt zum Datenhalter aufnehmen. So gesehen steuern andere Anbieter das Ziel "den Geoinformationsmarkt zu aktivieren und den Zugang zu Geoinformation zu verbessern" mit unternehmerischer Initiative weitaus direkter an - ganz ohne Fördermittel. Dazu zählt beispielsweise die in Erfurt ansässige On-Geo GmbH. Die Firma betreibt einen regelrechten Onlineshop für Geodaten, der tatsächlich mit der Software von Intershop realisiert wurde. On-Geo Geschäftsführer Dr. Klaus Wiegel investierte viel Geld für die komplette Enfinity MultiSuite des ebenfalls ostdeutschen Anbieters von E-Commerce-Lösungen. Damit hat er unter ongeo.de ein umfangreiches Portal geschaffen, auf dem 30 Datenanbieter mit rund 200 definierten Datenprodukten vereint sind. Verkauft werden aber gewöhnlich keine spezifizierten Geodaten für die Verwendung in Geoinformationssystemen (GIS), sondern Wiegels Zielgruppe ist die Immobilienbranche. Gefragt sind Luftbilder, Umgebungs- oder Liegenschaftskarten zu einzelnen Adressen. Und exakt zu den nachgefragten Adressen liefert Wiegel Datenauszüge. "Zu über 90 Prozent geben wir Graphiken als einfache PDF-Dateien ab oder betten die Karten in Word-Dokumente ein", sagt Wiegel. Aus georeferenzierten Daten unterschiedlichster Anbieter werden so simple Bilder, die als E-Mail geliefert etwa die Objektbeschreibung eines Maklerbüros bereichern. Und nur für den Ausschnitt aus den Daten muss auch bezahlt werden. Die Preise bewegne sich zumeist im einstelligen Eurobereich. "Im Prinzip leben wir von Cent-Beträgen", sagt Wiegel, der schlicht auf das Prinzip Masse setzt und vor allem große und überregionale Player im Immobilienmarkt wie Banken und Versicherungen ansprechen möchte. Die gleiche Zielgruppe hat mit einem ähnlich gestrickten Angebot auch Gisbert Wienke vom Vertrieb der Frankfurter Inframation AG im Visier. Das Portal dieses Unternehmens findet sich unter geoport.de. Auch hier können registrierte Nutzer adressbezogene Geodaten in Einzelabfrage als einfachen Kartenausschnitt per PDF bekommen.
Noch scheint der Markt für beide Anbieter groß genug. "Ich sehe uns gemeinsam mit On-geo in einem Boot, wenn es um die Marktentwicklung geht", sagt dazu Wienke. Denn beide Datenanbieter eint der Versuch, die bisherigen Großhandelsstrukturen des Geodatenmarktes zu durchbrechen und so etwas wie einen Dateneinzelhandel aufzuziehen (siehe Kasten). Beide Anbieter haben allerdings auch eine Art Lieferservice für Großabnehmer. Einzelne Kunden - vor allem Banken - brauchen sich nicht per Internet in den Shop einzuloggen, sondern erhalten einen in ihr jeweiliges Intranet integrierten Zugang, mit dem sich die Daten auch zu umfangreichen Adresslisten per Mausklick abfragen lassen. On-Geo löst das mit Standard-Komponenten von Intershop, die Inframation AG liefert selbst programmierte Tools. Als entscheidend für den langfristigen Markterfolg werten beide Anbieter am Ende den Umfang des Datenangebotes und die Fähigkeiten, mit definierten Datenpaketen und zusätzlichen Dienstleistungen die gewählten Zielgruppen dauerhaft an sich zu binden. Inframation etwa kooperiert mit Fachverlagen, die in ihren jeweiligen Branchen als seriöse Quellen gelten, um beispielsweise Mietpreisspiegel zu liefern oder Bewertungen beliebiger Immobilen etwa als Standort für einen Baumarkt zu ermöglichen. On-Geo wiederum hat gemeinsam mit Berlin Hyp eine Bewertungssoftware für Wohn- und Geschäftsimmobilien entwickelt, die auf den Geodaten des Portals basiert.
In genau diesem spezialisierten Projektgeschäft sieht der dritte nennenswerte Portalbetreiber den künftigen Markt: Die Dortmunder Terra Map Server GmbH. Das Unternehmen - eine hundertprozentige Tochter von Intergraph - betreibt unter terramapserver.de ebenfalls ein Geodatenportal, das den direkten Bezug von Daten über eine E-Commerce-Lösung - in diesem Fall von Navision - ermöglicht. Und wie die beiden anderen Anbieter, hat Terra Map Server einen "Lieferservice" im Angebot. Der so genannte "Knopf" ist eine beispielsweise ins Office-Paket von Microsoft integrierbare Funktion, die direkten Zugang zu den Terra Map Server-Daten gewährleistet. Darüber hinaus macht das Unternehmen nach Angaben des für die Geschäftsentwicklung verantwortlichen Dr. Oliver Schleider nahezu die Hälfte seiner Umsätze mit Projekten, wie beispielsweise die Applikation where2dig der zum E.on-Konzern gehörenden PleDoc GmbH. Die internetbasierte Lösung gibt rechtsverbindlich Auskunft, ob ein bestimmter geographischer Bereich durch Leitungsrechte belegt ist oder nicht. Die Navigation und Visualisierung der Gebiete erfolgt über den Terra Map Server. Doch nicht nur deswegen sind die Dortmunder nur bedingt mit den beiden anderen Anbietern vergleichbar: Bei terramapserver.de nehmen zum einen georeferenzierte Rasterdaten in speziellen GIS-Formaten breiten Raum ein, zum anderen wurde das Unternehmen vor vier Jahren mit öffentlichen Mitteln des Landes NRW aus der Taufe gehoben. Und für dieses Jahr versprach man seinerzeit den Börsengang der Terra Map Server GmbH.
Quelle: Business Geomatics Ausgabe 6/04 September 2004 |



